Technologische Entwicklungen in der Supply Chain

[authorBox image=“http://uzuner-solutions.de/wp-content/uploads/2013/12/2013-11-29-John-Bakker.jpg“ name=“John Bakker“]Unser Gastautor geht der Frage auf den Grund, welchen neuen Herausforderungen sich Software im Bereich Supply Chain stellen muss. John Bakker ist ein erfahrener Supply Chain-Experte, Unternehmensberater und Projektmanager, der Geschäftsprozesse mit Hilfe von Software optimiert.[/authorBox]

Supply Chain Management – die Herausforderungen von heute

Ohne Zweifel sind die Herausforderungen für die Logistische Kette heute größer als noch vor 10 Jahren. Die logistischen Netzwerke sind komplexer geworden. Vor allem aber müssen Entscheidungen heute viel schneller getroffen werden, und zwar innerhalb von Stunden anstatt von Wochen. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen:

  • größere Nachfrage in Schwellenländern
  • unberechenbare Märkte in Industrieländern
  • höhere Produktionskosten im Offshore-Bereich
  • hoher Kostendruck aufgrund der Finanzkrise

Um mit den Wettbewerbern Schritt halten zu können, wird beispielsweise in der Konsumgüterindustrie eine Innovation nach der anderen lanciert. Die Nachfrage wird durch Promotionsartikel sowie Aktionsrabatte stark beeinflusst und ist daher nur sehr schwer vorherzusagen. Auch die Produktionsstätten sind von der stark schwankenden Nachfrage betroffen und haben Schwierigkeiten, dem wechselnden Bedarf gerecht zu werden.

Welche Rolle spielt die Software?

Die Fachabteilungen, die mit der Logistik als Aufgabe betraut sind, wenden sich hilfesuchend an andere Abteilungen – unter anderem auch an die bemitleidenswerten Kollegen aus der IT. Was braucht die Fachabteilung und wonach fragt sie: mehr Daten, zeitnahe und präzisere Daten, Möglichkeiten zur Simulation von Szenarien, eine Analyse der Abweichungen zwischen Finanzsystemen und ERP-Anwendungen und vieles mehr.

Den ERP-Anwendungen wird vorgeworfen, dass sie nicht flexibel genug sind und nicht in der Lage, die richtigen Informationen zur richtigen Zeit und im richtigen Kontext zu liefern.

Tatsache ist – sie haben Recht!

Sind neue Technologien die Lösung?

Mit ERP-Systemen werden massive Geschäftsprozesse abgewickelt. Die IT-Investitionen in diese Infrastruktur sind jedoch nahezu zum Stillstand gekommen. Andererseits ist der Markt überfüllt mit Softwarefirmen, die neue Technologien einführen und intensiv bewerben, wie z.B. In-Memory-Datenverarbeitung, Cloud Computing, Software as a Service, Mobile Technologien, Soziale Netzwerke. Diese Firmen betonen, dass große IT-Programme oder Investitionen nicht notwendig sind. Stattdessen empfehlen sie ihre neuen, schnellen Methoden der Implementierung „out of the box“.

Jedoch bleibt dieser Rettungsweg in der Regel Theorie. Diesen neuen Technologien fehlen die praktischen Anwendungsfälle, um wirklich die Effizienz in der Logistischen Kette zu verbessern, wenn man bedenkt, dass die zentrale Datenbank immer noch im ERP System liegt, und dass diese Technologien sich integrieren müssen.

Viele Fragen bleiben offen

Die entscheidenden Antworten bleiben jedoch aus. Selbst wenn diese neuen Methoden tatsächlich ein Ergebnis liefern, bleibt es zweifelhaft, ob ein guter ROI (Return On Invest) überhaupt erreicht werden kann. Natürlich wird sich die Qualität mit der Zeit verbessern, wenn – genau wie bei ERP-Systemen – mehr und mehr Unternehmen das Risiko auf sich nehmen und die neuen Technologien adaptieren. Dann werden sie sich automatisch besser an den Zweck anpassen.

Aber bis jetzt frage ich mich dennoch:

  • Was kann die In-Memory-Technologie (z.B. SAP HANA), deren Zweck die Verarbeitung von riesigen Datenmengen ist, überhaupt zu einer effizienten Supply Chain beitragen, wenn gar nicht alle Daten zur Verfügung stehen?
  • Wie können die logistischen Fachabteilungen die Daten nutzen, die durch soziale Medien geliefert werden?
  • Ist die verfügbare Datenmenge überhaupt ausreichend, um darauf basierend logistische Netzwerke zu optimieren?
  • Haben Simulationen überhaupt einen Zweck, wenn sie keinen Praxisbezug haben?
  • Können Cloud- oder SaaS-basierte Lösungen überhaupt die Zeit verkürzen, die für fundierte Entscheidungen benötigt wird?
  • Was bleiben für reale praktische Anwendungsfälle, wenn man den Marketing Hype einmal weglässt?

Oder anders gefragt: Wo bleibt die umwälzende neue Technologie, die einen wirklich relevanten Beitrag liefert, um die Supply Chain hier und heute zu verbessern?



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